In Facebook und an anderen Orten braut sich massiver Widerstand gegen die Umbenennung des Münchner CSD in "Christina Street Day" zusammen.
Auf der Facebook-Seite des CSD-Veranstalters machen viele Teilnehmer ihrem Unmut über die Umbenennung Luft. Dort wird den Veranstaltern beispielsweise vorgeworfen, historische Fakten zu Marketingzwecken zu verdrehen, andere wollen den Münchner CSD in diesem Jahr boykottieren. Ein Teilnehmer kündigte an, eine Unterschriften-Aktion gegen die Umbenennung starten zu wollen.
Zwischenzeitlich wurde, ebenfalls in Facebook, eine eigene Protest-Seite gegen die Umbenennung eingerichtet, auf der ebenfalls viele Kommentatoren die Umbenennung des Münchner CSD scharf kritisieren.
Aber auch auf anderen Seiten im Netz gibt es überwiegend Kritik zur Umbenennung, sowohl von Schwulen als auch von Lesben. Eine entpsrechende Umfrage auf queer.de ergab (Stand 07.03.2011, 1113 Stimmen), dass etwa 80 Prozent der Teilnehmer die Umbenennung als, so wörtlich "Völlig alberne Geschichtsklitterung" ansehen.
In einem queer.de-Interview verteidigte Rosa Liste Stadtrat Thomas Niederbühl die Aktion und folgerte aus den Protesten gegen die Umbenennung, dass die Zusammenarbeit mit den Lesben für einige nicht selbstverständlich sei. Abrücken will man von der Umbenennung also offenbar nicht.
Die Veranstalter des CSD betonen, dass es sich bei der Umbenennung um eine einmalige Aktion handle und man damit gezielt provozieren wolle, um Diskussionen anzuregen. Hintergrund der Umbenennung sei, dass man 2011 einen Schwerpunkt auf Lesben richten wolle, um deren Sichtbarkeit zu erhöhen.
Uferlos hält euch hierzu auf dem Laufenden.
Hintergrund zur Bezeichnung "Christopher Street Day"
Der CSD erinnert an den ersten, bekannt gewordenen Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen die Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street im Stadtviertel Greenwich Village: In den frühen Morgenstunden des 28. Juni 1969 fand in der Bar Stonewall Inn der sogenannte Stonewall-Aufstand statt. Zu dieser Zeit gab es immer wieder gewalttätige Razzien der Polizei in Kneipen mit homosexuellem Zielpublikum. Es kam in der Folge zu tagelangen Straßenschlachten zwischen Homosexuellen und der Polizei. (Quelle: Wikipedia)
Die Ereignisse in New York stellen somit auch ein wichtiges Ereignis für die gesamte Schwulen- und Lesben-Bewegung dar.
1. Update vom 09.03.2011: Unterschriftenlisten gegen Umbenennung liegen in Szene-Lokalen aus
Inzwischen wurde auch eine Unterschriften-Aktion gegen die Umbenennung zum "Christina Street Day" gestartet. Organisator Norbert Kammermeier erntete laut eigener Aussage beim Auslegen der Listen überwiegend Kopfschütteln über die Umbenennung. Kammermeier möchte die Listen nach Abschluss der Aktion an die Veranstalter des CSD übergeben. Die Unterschriftenlisten liegen derzeit in folgenden Lokalen aus:
- Drei Glöcklein, Hans-Sachs-Str.
- Nil, Hans-Sachs-Str.
- Rendezvous, Müllerstr.
- Selig, Hans-Sachs-Str.
- Spexter, Müllerstr.
Kammermeier möchte die Listen noch in weiteren Lokalen auslegen. Uferlos hält euch dazu auf dem Laufenden.
Der Facebook-Seite "Gegen den Namen Christina Street Day" haben sich innerhalb weniger Tage bereits über 420 Teilnehmer angeschlossen.
