Der Strafverteidiger von Bradley Manning, David E. Coombs, hat in seinem Blog über die Hintergründe der nochmals verschärften Haftbedingungen für Bradley Manning berichtet. - Bradley Manning wird vorgeworfen, Wikileaks brisantes Material zugespielt zu haben (s. Uferlos-Artikel).
David E. Coombs bloggte am 5. März 2011:
Die Wahrheit hinter der Entscheidung des Quantico Brigs (Marinegefängnis) dem Obegefreiten Manning seine Kleidung abzunehmen.
Das Militärgefängnis verweigerte PFC (Obergefreiter) Manning während der letzten drei Nächte jegliche Kleidung und hat vor, diese Praxis auch unbegrenzt weiterzuführen. Jeden Abend wird PFC Manning von Gefängniswärtern dazu gezwungen, all seine Kleidung abzugeben. Er liegt dann nackt in einer kalten Gefängniszelle und zwar bis zum nächsten Morgen, an dem er dann die zusätzliche Demütigung über sich ergehen lassen muss, beim Morgenapell nackt stramm stehen zu müssen.
Laut Marinesprecher Oberleutnant Brian Villiard, findet diese Maßnahme zu PFC Mannings eigenem Schutz statt. Villiard führte weiter aus es wäre unangemessen die Gründe für diese Maßnahme näher zu erklären, da eine Darlegung der Details eine Verletzung von PFC Mannings Privatsphäre darstellen würde.
PFC Mannings Verteidiger hatte Gelegenheit, sowohl mit PFC Manning selbst, als auch mit dem klinischen Psychologen der Haftanstalt zu sprechen und erfuhr so mehr über die Gründe für den nächtlichen Kleidungsentzug. Am 2. März wurde PFC Manning die Entscheidung mitgeteilt, dass sein Antrag, ihn aus der Hochsicherheitshaft mit zusätzlicher Beobachtung wegen Selbstmordgefahr in einen weniger sicheren Trakt des Gefängnisses zu verlegen vom Gefängniskommandanten Oberst Daniel J. Choike abgelehnt worden war. Nach sieben Monaten unter extrem harten Haftbedingungen ob dieser Entscheidung verständlicherweise frustriert, fragte PFC Manning die Gefängnisleitung was er denn tun könne um von diesen sehr harten Haftbedingungen heruntergestuft werden zu können. Sogar Pentagon-Pressesprecher Geoff Morrell hatte PFC Manning zuvor als Musterhäftling bezeichnet. Zudem hatten die klinischen Psychologen des Gefängnisses wiederholt festgestellt, dass es aus psychologischer Sicht keine Veranlassung für die Extra-Überwachung gebe. Dennoch erhielt PFC Manning die Antwort, dass es derzeit keine Möglichkeit gäbe, seinen Status zu ändern, und dass ihn das Gefängnis weiterhin als selbstmordgefährdet ansehe. Daraufhin bemerkte PFC Manning dass die Verhängten Maßnahmen absurd seien und dass er – wenn er sich denn etwas antun wollte – dies genauso gut mit dem Gummizug seiner Unterhose oder mit seinen Flip-Flops tun könnte.
Ohne sich darüber mit der medizinischen Abteilung der Haftanstalt zu verständigen, nutzte Chefadjudant Denise Barnes diese sarkastische Äußerung Mannings als Anlass, seine Haftbedingungen weiter zu verschärfen, unter dem Vorwand der Besorgnis PFC Manning wäre akut gefährdet sich selbst zu verletzen. Bezeichnenderweise wurde er aber nicht unter offizielle Anti-Selbstmord-Bewachung gestellt, da dieser Status vom medizinischen Personal der Anstalt empfohlen werden muss, was in diesem Fall aber ja nicht der Fall war. Im Gegenteil, im Bezug auf diesen speziellen Vorfall bestätigte der klinische Psychologe der Haftanstalt erneut, dass PFC Manning als Patient mit niedrigem Risiko lediglich ambulante Nachuntersuchungen benötige und keiner besonderen Beobachtung bedürfe. Auch sei die Bemerkung Mannings betreffend des Gummizugs der Unterhose als in keiner Weise einer psychischen Erkrankung zuzuordnen.
Der Gefängniskommandant benötigt eine Empfehlung des Psychiaters um PFC Manning unter offizielle Anti-Selbstmord-Bewachung zu stellen, aber eine solche Empfehlung ist nicht nötig um die Haftverhältnisse unter Bezug auf vermeintliche Selbstverletzungsgefahr zu verschärfen. Hierzu werden die Psychologen zwar gehört, die Entscheidung obliegt aber der Befugnis des Kommandanten.
Unter diesen Umständen ist die Entscheidung PFC Manning jeden Abend und auf unbestimmte Zeit seiner Kleidung zu berauben ganz klar als Bestrafung anzusehen. Es gibt keine psychologische Rechtfertigung für diese Maßnahme. Es gibt auch keine logische Begründung für die Maßnahme. PFC Manning befindet sich rund um die Uhr unter Beobachtung, zu keinem Zeitpunkt sind Wachen mehr als wenige Meter von seiner Zelle entfernt postiert. Tagsüber ist PFC Manning erlaubt, seine Unterwäsche und Kleidung zu tragen, offensichtlich ohne dass man sich Sorgen um ihn machen würde. Zudem bestünde bei ehrlicher und begründeter Sorge um PFC Manning (auch entgegen den Aussagen der Psychologen) sicherlich auch die Möglichkeit, ihm „ungefährliche“ Ersatzkleidung zur Verfügung zu stellen. Er wurde auch in der Vergangenheit genau deshalb bereits mit Dingen wie unzerreißbaren Bettlaken und einer Matratze mit integriertem Kissen ausgestattet.
Wie die Haftanstalt PFC Manning behandelt ist beschämend. Diese Tatsache wird noch dadurch verstärkt dass man sich hinter Mannings Privatsphäre versteckt. Es gibt keinen Grund und es darf keine Veranlassung geben, einen Gefangenen in einer derart degradierenden und erniedrigenden Weise zu behandeln.
Quelle: http://www.armycourtmartialdefense.info/2011/03/truth-behind-quantico-brigs-decision-to.html
Vielen Dank an Andi Müller für die Übersetzung!
