Seit Jahrzehnten treten Lesben und Schwule in München gemeinsam für ihre Rechte ein. Seit 15 Jahren veranstalten sie gemeinsam den Münchner „Christopher Street Day“. Doch in den Medien wird der CSD oftmals nur als Schwulenparade dargestellt. Die Münchner CSD-Veranstalter – Sub, LeTRa, Münchner Aids-Hilfe und Rosa Liste – wollen daher in diesem Jahr die Sichtbarkeit von Lesben zum Thema machen. So entstand die Idee, den Münchner CSD 2011 einmalig in „Christina Street Day“ umzubenennen.
Die Umbenennung rief großen Unmut und Widerstand hervor, nicht nur in der Szene. Auch auf facebook und queer.de wurden heftige Diskussionen auf teilweise aggressivem Niveau darüber geführt. Die Veranstalter haben sich nun damit in großer Runde auseinandergesetzt.
Thomas Niederbühl, politischer Sprecher des CSD München und Stadtrat der Rosa Liste, fasste das Ergebnis in einer Presseerklärung zusammen: „Durch die Diskussionen habe man erfreut zur Kenntnis genommen, dass die historischen Stonewall-Unruhen und der Christopher Street Day für viele immer noch enorm identitätsstiftend seien. Die einmalige Umbenennung des CSD sei deshalb nicht vermittelbar. Es mache keinen Sinn, sich weiter um einen Namen zu streiten, Grabenkämpfe zu führen oder die Szene zu entzweien. Schließlich sei man in München doch mit der schwul-lesbischen Zusammenarbeit, die jetzt mancher Kritiker in Frage gestellt habe, schon viel weiter.
Der CSD 2011 wird also wie gewohnt „Christopher Street Day“ heißen. Der lesbische Schwerpunkt soll über ein neues Motto und die Veranstaltungen transportiert werden.
Hintergrund zur Bezeichnung "Christopher Street Day"
Der CSD erinnert an den ersten, bekannt gewordenen Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen die Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street im Stadtviertel Greenwich Village: In den frühen Morgenstunden des 28. Juni 1969 fand in der Bar Stonewall Inn der sogenannte Stonewall-Aufstand statt. Zu dieser Zeit gab es immer wieder gewalttätige Razzien der Polizei in Kneipen mit homosexuellem Zielpublikum. Es kam in der Folge zu tagelangen Straßenschlachten zwischen Homosexuellen und der Polizei. (Quelle: Wikipedia)
Die Ereignisse in New York stellen somit auch ein wichtiges Ereignis für die gesamte Schwulen- und Lesben-Bewegung dar.
