Das Motto des Münchner CSD 2011 steht fest: "Für ein solidarisches Miteinander: Lesben vor!"
Hier die offizielle Pressemitteilung von Thomas Niederbühl, dem politischen Sprecher des CSD München:
12. April 2011
"Der Münchner Szenestammtisch der LGBT-Community hat heute Abend die vier Motto-Vorschläge der Shortlist ausführlich diskutiert und dabei die Szene-Kommentare und Meinungsäußerungen der letzten Woche als Feedback berücksichtigt. Es blieb Konsens, dass sich das Schwerpunktthema „Lesbische Sichtbarkeit und solidarisches Miteinander“ im Motto ausdrücken soll.
Der Vorschlag „ich, du, er, sie – alle csd“ fand deshalb keine Unterstützung. Er stelle zwar den Community-Gedanke in den Vordergrund, thematisiere aber nicht explizit die lesbische Sichtbarkeit.
„Christina ist auch da!“ wurde deutlicher befürwortet, weil der Vorschlag die ursprüngliche Intention der Namensänderung wieder aufnimmt, für die es auch große Zustimmung gab. Mit einem Augenzwinkern werde auf die Präsenz und Zugehörigkeit der Lesben zum CSD und zur Community hingewiesen. Die Mehrheit bezweifelte aber, ob dieses Motto ohne Kenntnis der bisherigen Debatten überhaupt verständlich wäre. Stattdessen wurden erneut hitzige Diskussionen und ein Missbrauch in den Medien befürchtet. Besser wäre es, auf den verbrauchten Namen zu verzichten und Lesben explizit zu benennen, wie es in den beiden verbliebenen Vorschlägen der Fall war.
„Lesben ans Licht! – Selbstverständlich – Selbstbewusst“ wurde zwar wegen seiner deutlichen Intention und sprachlichen Klarheit in die engere Wahl gezogen, weckte aber negativ-defizitäre Assoziationen, als wären Lesben nur im Dunkel versteckt. Damit würde aber die bisherige Mitarbeit, Präsenz und erfolgreiche Arbeit von Lesben in der Szene und beim CSD abgewertet.
Mit klarer Zweidrittel-Mehrheit fiel die Entscheidung zum Motto „Für ein solidarisches Miteinander: Lesben vor!“. Darin drücke sich das diesjährige Schwerpunktthema am besten aus. Denn aus der Mitte der LGBT-Community werden Lesben in den Vordergrund gestellt, um solidarisch auf deren Unsichtbarkeit, Ignoranz und Abwertung in Medien, Gesellschaft und Politik –wie auch in Teilen unserer eigenen Szene- hinzuweisen.
„Gerade beim CSD geht es doch nicht darum“, erklärt Thomas Niederbühl, politischer CSD-Sprecher und Stadtrat der Rosa Liste „nebeneinander –oder gar gegeneinander- zu marschieren, zu feiern und zu fordern. Es geht seit Jahren auch um ein Miteinander und Füreinander. Und deshalb stellen wir als LGBT-Gemeinde in diesem Jahr die Lesben in den Vordergrund, um gemeinsam für Sichtbarkeit, gleiche Rechte und Akzeptanz zu kämpfen. Schließlich können wir nur im solidarischen Miteinander gesellschaftliche Gleichstellung und Fortschritte erreichen, die uns als Schwule, Bisexuelle, Transgender und eben auch Lesben gemeinsam betreffen. Das drückt sich im Motto klar aus. Weil dieses Miteinander aber in den letzten Wochen immer wieder in Frage gestellt wurde, sind die Veranstaltungen der Pride Week eine gute Gelegenheit, über unterschiedliche Interessen, schwul-lesbische Zusammenarbeit und gemeinsame Solidarität ins Gespräch zu kommen.“
Der Münchner Szenestammtisch ist das Vernetzungs-, Koordinierungs- und Entscheidungsgremium der Münchner LGBT-Community, das sich pro Quartal einmal trifft. Es setzt sich aus Delegierten von über hundert Münchner Vereinen, Projekten und Gruppen zusammen.
Verantwortlich:
Thomas Niederbühl, Rosa-Liste-Stadtrat und politischer Sprecher des CSD München"
