Pressemitteilung der Rosa Liste München vom 26.5.2011:
"Erfolg der Rosa Liste: München erinnert mit einem Kunstwerk an die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen
Auf Antrag von Rosa Liste-Stadtrat Thomas Niederbühl hat der Kulturausschuss heute einstimmig beschlossen, mit einem Kunstwerk in der Dultstrasse an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Dafür werden 85.000 Euro zur Verfügung gestellt. Für den anstehenden Kunstwettbewerb wird eine Jury aus Künstlern, Kuratoren und Stadträten gebildet, an der auch Vertreter von LeTRa, Sub und Koordinierungsstelle beratend teilnehmen.
Mit dem heutigen Beschluss geht für Niederbühl eine lange Geschichte des Verdrängens und der Ausgrenzung, eine leidvolle Nicht-Erinnerungsgeschichte zu Ende. Bisher erinnert in München von den über 300 Erinnerungsorten an die Verbrechen der Nationalsozialisten kein einziger an die homosexuellen Opfer. „Diese Leerstelle wird jetzt endlich gefüllt. München stellt sich seiner besonderen Verantwortung als Hauptstadt der Homosexuellenverfolgung im Nationalsozialismus“, lobt Niederbühl. Denn mit der bayernweiten Razzia, die am 20.10.1934 auch im Schwulenlokal „Schwarzfischer“ in der Dultstrasse stattfand, begann die systematische Verfolgung schwuler Männer durch die Nationalsozialisten, die für 50.000 Männer Verurteilung nach §175, Verschleppung, KZ-Einweisung mit dem „Rosa Winkel“ und für viele auch Ermordung bedeutete.
Auch wenn die Nationalsozialisten gleichgeschlechtliche Lebenskonzepte verhindern wollten und schwul-lesbische Infrastruktur wie Treffpunkte, Vereine, Verlage und Zeitschriften zerstörten, wurden lesbische Frauen nicht systematisch verfolgt, sondern ideologisch diszipliniert.
„Das Kunstwerk wird diese historische Differenz würdigen und den Fokus auf schwule Männer richten - ohne Lesben auszuschließen“, erklärt Niederbühl. „Denn das Kunstwerk knüpft zwar am historischen Ort und der NS-Verfolgung an, soll aber mehr sein als nur ein Denkmal, das auf ein abgeschlossenes Damals im Kontrast zu einem weit besseren Heute verweist. Es soll nicht nur Erinnerungs-, sondern auch Mahnzeichen für Akzeptanz und Gleichstellung von Lesben und Schwulen sein. Damit lenkt es die Aufmerksamkeit auch auf die Kontinuität von Ausgrenzung und Diskriminierung. Für Lesben und Schwule gab es 1945 kein Jahr Null, der Nazi-Paragraf 175 galt bis 1969 weiter und auch heute sind gleichgeschlechtliche Lebensformen nicht selbstverständlich akzeptiert. Die Stadt schließt nicht nur eine Gedächtnislücke, sondern setzt auch ein deutliches Zeichen gegen Homophobie.“
Auch wenn der Beschluss erst nach einer beschämend langen Ausgrenzungsgeschichte gefasst wurde, sei er doch endlich eine Anerkennung der Opfergruppe und ein Stück Wiedergutmachung, worauf die Stadt stolz sein könne, erklärt Niederbühl. Für die schwul-lesbische Community und für ihn persönlich sei es eine großartige Entscheidung.
Verantwortlich: Thomas Niederbühl"
